Warum ich die Content Marketing Plattform Whitepress niemandem empfehlen kann

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WhitePress Publishing Ltd. ist ein britisches Unternehmen, das sich dem Content und Influencer Marketing widmet. Es ist mittlerweile in zahlreichen europäischen Ländern vertreten und wirbt (zum Zeitpunkt, während ich diesen Artikel schreibe) damit, in 19 Sprachen und auf 26.054 verschiedenen Webseiten Artikel zu veröffentlichen.

Kleiner Edit hierzu: In der Datenschutzerklärung steht eine in London registrierte Adresse als Hauptsitz, im Footer befindet sich eine Adresse aus Slowenien.

Vor nicht allzu langer Zeit waren auch elf meiner Seiten unter diesen Webseiten gelistet. Und zwar völlig ohne mein Einverständnis.

Aus diesem Grund kann ich diese Plattform niemandem empfehlen. Keinem Content Creator und auch keinem Werbekunden.

Es begann am 18. Mai 2021

Ich erhielt zwei Mails zur Bestätigung meiner Registrierung. Die ich nicht veranlasst habe. Eines um 11:46 Uhr, das zweite um 11:50 Uhr.

Die Mails landeten beide in meinem Spam-Ordner und ich habe sie erst ein paar Tage später gesehen.

Am 27. Mai ging die nächste Mail bei mir ein, die ich ebenfalls erst ein paar Tage später gesehen habe. Auch sie ist in meinem Spam-Ordner gelandet.

Am 1. Juni kam die nächste Mail, diese landete ebenfalls im Spam-Ordner.

Die erste Mail, die ich gesehen habe und die in meinem Posteingang gelandet ist, war folgende vom 2. Juni:

Mein erster Impuls auf diese Mail hin war folgende Antwort:

Mir kam die Sache allerdings sehr suspekt vor und so suchte ich in meinem Outlook nach Mails von ebendieser Plattform. Zu dem Zeitpunkt fand ich dann die vorgenannten Mails und sah jedes davon zum ersten Mal!

Ich verfasste eine zweite Mail.

Und danach wartete ich.

Bevor ich dir erzähle, wie es danach weitergegangen ist, möchte ich ein paar wichtige Informationen an dieser Stelle festhalten, falls du kein ausreichendes Grundwissen über Content Marketing und die DSGVO hast:

  • Eine solche Content Marketing Plattform erhält immer eine Provision. Diese hat entweder der Content Creator oder der Kunde zu bezahlen, das wird ganz unterschiedlich gehandhabt. Es ist im Grunde die Vermittlungsgebühr und die Plattform muss ja auch irgendwie finanziert werden. Grundsätzlich also völlig legitim, wären da nicht alle restlichen Punkte.
  • Gemäß der DSGVO hat immer eine ausdrückliche Einwilligungserklärung zur Verarbeitung von Daten zu erfolgen.
  • Jede Plattform, auf der man ein Kunden- bzw. Nutzerkonto anlegen kann, verfügt über Nutzungsbedingungen oder AGB, denen man bei der Registrierung ausdrücklich zustimmen muss, da diese sonst nicht abgeschlossen werden kann. Werfe ich einen Blick auf whitepress.at, finde ich die nichtmal! In diesen sind Dinge geregelt, wie…
    • Geltungsbereich & Gerichtsstand
    • Was ist die Höhe der Provision?
    • Wie werden meine Daten verarbeitet?
    • Wie kann ich mein Benutzerkonto wieder löschen?
    • Und im Fall von Content Marketing:
      Wie viele Korrekturschleifen sind zu leisten, wie lange muss der Content drauf bleiben, was kann ich tun, wenn ich den Artikel nicht veröffentlichen will, etc pp.

Wenn ich mir jetzt die Registrierung aufrufe, ist auch hier nirgendwo von Nutzungsrechten die Rede. Die erwähnte Datenschutzerklärung kann man nicht anklicken, man findet auf der Registrierungsseite auch keinen Footer und kein seitlich anzuklickendes Menü mehr, in dem diese verlinkt sind.

Klicke ich hier überall auf “mehr lesen”, wird das zu:

Und der Link zur Datenschutzerklärung fehlt vollständig. Diese müsste aber von überall aus leicht erreichbar sein, genauso wie das Impressum. Die Datenschutzerklärung kann man von anderen Unterseiten aus erreichen. Diese ist unabhängig von der Spracheinstellung auf Englisch.

Eine einsprachige, englische Datenschutzerklärung ist zulässig, wenn das Unternehmen seinen Sitz nicht im deutschsprachigen Raum hat. Das ist hier der Fall.
Ein Impressum, Nutzungsbedingungen oder AGB finde ich dennoch auf der ganzen Webseite nicht.

An dieser Stelle kurz ein paar rechtliche Details:

Es gibt mehrere Gesetzesparagraphen, welche die Impressumspflicht regeln. Eine davon ist das Telemediengesetz und das regelt gleichermaßen, dass Impressum wie auch Datenschutzerklärung von jeder Seite aus verlinkt sein müssen und mit maximal zwei Klicks aufrufbar sein müssen.

Was sonst noch alles ins Impressum muss, habe ich euch ja schonmal zusammengefasst, und zwar hier.

Nun bin ich einfach auf der Plattform registriert worden und habe weder der Verarbeitung meiner personenbezogenen Daten, irgendwelchen AGB oder Nutzungsbedingungen ausdrücklich zugestimmt.

Wie kann ich dann einen Auftrag erhalten, wenn ich die Registrierung nie veranlasst habe? Wenn ich nie auf den Link in dem Mail zur Registierungsbestätigung geklickt habe?

Es wurde einfach freigegeben. Und Daten meines Unternehmens wurden einfach ohne mein vorheriges Einverständnis im Backend eingetragen.

Während ich auf die Antwort per Mail gewartet habe, beantragte ich per Mail (und das ist der größte Witz überhaupt) das Zurücksetzen meines Passworts. Eh klar, ich hab ja gar keins eingegeben, wie soll ich es dann auch kennen!

Einmal eingeloggt sah ich dann folgende Benachrichtigungen im Dashboard:

Einfach geil, und das meine ich keineswegs positiv. Und von der Adresse bis hin zu meiner UID Nr. wurden im Benutzerkonto meine Unternehmensdaten hinterlegt. Dinge, die ich entweder persönlich oder durch eine von mir ausdrücklich dazu ernannte Vertretung eingeben muss!

Mir reichte es an der Stelle. Eine Antwortmail war noch keine da, ich griff zum Telefon und rief denjenigen an, der mir das Mail geschickt hat.

Der Mitarbeiter am Telefon gab sich selbst sehr erstaunt, war damit beschäftigt, mich darüber aufzuklären, dass er gerade dabei wäre, mir eine Antwortmail zu schreiben, dass er nichts dafür könne, er das selbst nicht gemacht habe und dass das nicht die übliche Vorgehensweise wäre.

Man würde nicht ohne Rücksprache irgendwelche Benutzerkonten anlegen. Stattdessen würde man potenzielle Partner kontaktieren und dann ausschließlich nach vorheriger Zustimmung ein solches Konto anlegen.

Auf meine Frage hin, wie es dann sein kann, dass ich am 18. Mai um 11:46 sowie um 11:50 Uhr je ein Mail zur Registrierungsbestätigung erhalten habe, ich diesen Link nicht angeklickt habe und dennoch am selben Tag ab 12:48 Uhr alle paar Minuten eine meiner Webseiten hinzugefügt wurde, konnte er mir keine plausible Erklärung liefern.

Stattdessen fragte mich der Mitarbeiter (es wurde immer dreister), woher man denn meine Daten haben solle. Ich sagte ihm dasselbe, was ich nun hier schreibe: Ich gehe davon aus, dass die Daten von reitenshi.net, der Webseite meiner Werbeagentur, gezogen wurden. Ich habe im Vorfeld Facebook und meine Mails durchsucht. Ich hatte keinen Kontakt mit einem Whitepress Mitarbeiter, was die Registrierung der Plattform oder den Verkauf von Artikelplätzen betraf.

Ich habe dem Mitarbeitter sehr ausführlich erklärt, dass es eine Frechheit sei und diese Vorgehensweise nebenher nicht zulässig sei. Während er sich im ersten Moment verständnisvoll gezeigt hat, fragte er mich im nächsten, warum ich denn nicht weiter mit Whitepress zusammenarbeiten möchte, ob es denn am Preis läge oder was denn der Grund dafür sei.

Jegliche Versuche, mir das Konzept von “Whitepress, einem renommierten und europaweit vertretenen Unternehmen”, so seine Worte, vorzustellen, habe ich abgewimmelt. Umso tragischer, wenn es renommiert und europaweit vertreten ist, dass man auf solche Vorgehensweisen zurückgreift!

Ich ließ mir zusichern, dass der Auftrag storniert und das Konto gelöscht wird. Und wollte eine schriftliche Bestätigung darüber. Danach beendete ich das Gespräch. Und wartete erneut.

Ein paar Minuten später warf ich einen Blick ins Konto rein, weil ich ja doch neugierig war und eben wissen wollte, ob man denn auch tut, was man mir versprochen hat. Und da hab ich dann etwas gesehen, das für mich den Bock abgeschossen hat:

An der Stelle fragst du dich halt schon…

  • Ich kenne Whitepress nicht und melde mich nicht auf Contentplattformen an.
  • Gegen mein Wissen und ohne vorherige Kontaktaufnahme zu mir werde ich auf dieser Plattform registriert.
  • Ich erhalte einen Auftrag, der thematisch nicht passt und den ich zuvor nie gesehen habe. Und ganz sicherlich klicke ich nicht auf irgendwelche Links in irgendwelchen Mails, die mir so suspekt vorkommen.
  • Ich muss Zeit dafür aufbringen, um diesen Auftrag, den ich nicht bestellt habe, abzuwimmeln.
  • Und dann wird er storniert “wegen neuer Firmenpolitik”?!

Ich habe an der Stelle dann mein Benutzerkonto selbst gelöscht, einfach um die symbolische Ironie, dass ich mich um etwas kümmern muss, das ich von vornherein nicht wollte, abzuschließen.

Ich musste mit der Kontolöschung im Übrigen warten, bis der nicht bestellte Auftrag storniert war. Da man kein Benutzerkonto bei einem laufenden Auftrag löschen kann. 🙂 (Dieser Emoji drückt meinen Gesichtsausdruck, während ich diese Zeilen schreibe, richtig schön aus!)

Und das war auch die komplette Geschichte. Red Flags everywhere, ich kann eine Zusammenarbeit mit dieser Plattform auf keinen Fall empfehlen.

Genau diese Vorgehensweise habe ich übrigens in meinem Artikel über 10 Horrorkunden für Blogger beschrieben: Der Vorschnelle!
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